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Vereine im Extertal haben jetzt eine Galgenfrist

Bösingfeld (ar). Noch haben die Vereine im Extertal die Chance, die drohende Erhöhung der Sporthallengebühren um gut 300 Prozent abzuwehren. Am Donnerstag lag dem Ausschuss für Generationen, Schule, Soziales und Sport der Beschlussantrag vor, nach dem über den kräftigen Anstieg befunden werden sollte, doch die Vereine wollten diesen Schritt nicht ohne Gegenwehr über sich ergehen lassen. Die Ausschusssitzung war so gut besucht, wie wohl selten eine zuvor, der große Bürgersaal im Rathaus quoll aus allen Fugen. Trotz vieler zusätzlicher Stühle, die Mitglieder und Verwaltung herein schleppten, musste ein großer Teil der Anwesenden mit dicht gedrängten Stehplätzen vorlieb nehmen.

Da lag es in der Hand des Ausschussvorsitzenden Dr. Hermann Paulus, die Versammlung nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. Angesichts des riesigen Bürgerinteresses ermahnte er die Zuhörer und den Ausschuss zu Disziplin in der Rednerreihenfolge und in der Wahl der Argumente. Man müsse sich auf Fakten beschränken, Beleidigungen und Beschimpfungen sowie Polemik unterlassen und sich auf eine sachliche Auseinandersetzung konzentrieren, leitete er die Sitzung ein. Und da die nackten Fakten ohnehin sattsam bekannt waren, konnte auch gleich in die Diskussion eingestiegen werden.

Die verlief tatsächlich äußerst diszipliniert und sachlich, auch wenn sich die Argumente im Laufe der Zeit zu wiederholen begannen. Was allerdings auch verständlich war, da die vielen Vereine, egal ob in Bösingfeld, Silixen, Almena, Kükenbruch, Laßbruch oder anderen, die gleichen Sorgen plagen. Ihnen allen sollen die Benutzungsgebühren für die Sporthallen von bisher 1,50 Euro pro Erwachsenengruppe und Stunde auf 5 Euro erhöht werden. Das bedeutet unter dem Strich beispielsweise für den TSV Bösingfeld einen Anstieg von 2.598,75 Euro auf 8.662,50 Euro – eine Summe, die, so die stellvertretende Vorsitzende Ricarda Kuhfuß, einfach nicht zu leisten ist. Würde die erhöhte Summe auf die Vereinsmitglieder umgelegt werden, sei mit einem Mitgliederschwund zu rechnen, der noch viel weitergehende Folgen haben würde. Für junge Familien entfiele der Grund, nach Extertal zu ziehen oder dort zu bleiben.

Das betonte ebenfalls der Vorsitzende des Gemeindesportverbandes (GSV) Alfred Arndt für alle Vereine, der äußerst sachlich und eindringlich auf die Wichtigkeit der Ehrenamtlichen für die Existenz der Vereine hinwies und die ebenfalls geplante Streichung von Zahlungen für die Pflege von Vereinsflächen oder das Mähen der Festwiese durch den TuS Almena kritisierte.

Aus dem Plenum kamen einige Wortbeiträge, die seinen Vortrag mit Fakten aus den betroffenen Vereinen unterstützten, und allmählich geriet die Sitzung in eine Diskussion der allgemeinen Finanzlage der Gemeinde Extertal. Fachbereichsleiter Marco Wallenstein stellte die Situation aus der Sicht der Verwaltung dar und befand: „Die Gemeinde Extertal befindet sich in einer dramatischen Finanzlage.“ Seine Schilderung, dass man nur an den freiwilligen Leistungen kürzen könne und müsse, fand im Plenum nur Widerspruch. Auch bei den Pflichtleistungen gäbe es Kürzungsmöglichkeiten, und man müsse nach den Fehlern in der Vergangenheit suchen, damit man diese in Zukunft nicht wieder begehe, waren mehrfach vorgebrachte Argumente. Doch sowohl Marco Wallenstein als auch Bürgermeisterin Monika Rehmert ließen sich darauf nicht ein. Immerhin einigte sich der Ausschuss nach intensiver Diskussion darauf, über die Beschlussvorlage nicht final abzustimmen, sondern ihn vielmehr an den Finanz- und Wirtschaftsausschuss zu verweisen. Bis dieses Gremium tagt, soll in der Zwischenzeit das Gespräch mit den Vereinen gesucht werden, um nach einer für sie tragbaren Kompromisslösung zu suchen. Allerdings ist das nur eine Galgenfrist, denn über allem steht auch für die Vereine die Bemerkung von Dr. Hermann Paulus: „Wir stehen finanziell direkt am Abgrund.“

Quelle: Nordlippischer Anzeiger

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